exhibition design for audi urban future award / venice

location: Scuola Grande della Misericordia in Venice
Cannaregio, 3599/A, 30124 Venice
Vaporetto Stop: Ca D’Oro, Linea 1

 

Exhibition of Audi urban future award
August 27th – September 26th, 2010

Scuola Grande della Misericordia in Venice 
Daily, 10am-6pm, closed on Tuesdays
Admission free

Daten Ausstellung zum Audi Urban Future Award
27. August bis 26. September 2010
Scuola Grande di Santa Maria della Misericordia, Venedig
Täglich von 10 bis 18 Uhr, außer dienstags
Eintritt frei
Commissioned by Stylepark on behalf of audi AG
Im Auftrag von Stylepark und audi AG

link: audi urban future award

 

An exhibition architecture for the audi urban future award, a competition looking for new ideas for urban developments for the life in 2030. Invited architects include alison brooks architects, big, cloud 9, diller scofidio + renfro and standardarchitecture. raumlabor developed a compact metaphor on urban density as carrier of the competitions’ contents.
the presentations of the different approaches to the competitions brief are displayed in a happy labyrinthine structure, that with openings and doors allows individual paths of the viewers and therefore for interconnections between the teams’ statements. the out-most spacial line is dedicated to the physical presence of the exhibitions visitors and provides spaces for relaxation and a spectacular viewpoint. this ability for user appropriation of the exhibitions spacial system can be understood as raumlabor’s reference to henri lefebvre’s definition of “space is a product of social (inter)action”*

animation of the exhibition design / räumliche darstellung der austellungsarchitektur

 

 

Die Stadt der Zukunft, womöglich sogar im Sinne einer Utopie, ist Thema des Audi Urban Future Award 2010, für den Raumlaborberlin die Ausstellungsarchitektur entwickelt hat. In dem für venezianische Verhältnisse recht großen, nahezu freistehenden historischen Gebäude der Scuola Grande di Santa Maria della Misericordia entsteht eine kompakte und objekthafte Ausstellungsarchitektur, die mehrere Gänge hintereinander anordnet und wie ein Register miteinander verbindet. Raumlaborberlin interpretiert die Ausstellung selbst als öffentlichen Raum und folgt damit der Interpretation von Giambattista Nolli: In dessen „Pianta di Roma“ von 1748 waren zusätzlich zu Straßen- und Platzräumen alle für die urbane Öffentlichkeit zugänglichen Räume in die Plandarstellung einbezogen. Raumlaborberlin folgt ebenso der Definition Mauricio Cobalans, nach der öffentliche Räume dort entstehen, wo sich Menschen treffen und austauschen.

Von außen betrachtet, erinnert die Ausstellungsarchitektur aufgrund ihres aus Elementen unterschiedlicher Höhe gebildeten Charakters an die Silhouette einer Stadt. Wie eine abstrakte Skyline bilden die Module verschiedene Bereiche, streben in die Höhe, fallen treppenartig ab oder sind ineinander verschachtelt.  Überdies können die Besucher eine Plattform erklimmen und sich, als stünden sie auf einen Turm, einen Überblick über den gesamten Ausstellungsraum und all seine Facetten verschaffen. Die Ausstellungsarchitektur ist damit nicht nur narrativ, sie lädt die Besucher auch dazu ein, körperlich teilzuhaben, indem sie das Innere der Struktur nach eigenem Plan erkunden, Räume und Beiträge entdecken und zugleich das gesamte Terrain überblicken können. Darüber hinaus gibt es Zonen, in denen man verweilen und sich erholen kann, die Ausstellung diszipliniert die Körper der Betrachter nicht, sondern bietet an sich auch auszuruhen, einen Ort zu finden um zu sein und gesehenes zu verarbeiten, zu plaudern oder nur zuzuschauen.



Für jeden der sechs Wettbewerbsbeiträge steht Innerhalb dieser architektonischen Struktur ein eigener Gang zur Präsentation zur Verfügung. Die Gänge sind durch eine individuelle Farbgebung gekennzeichnet, die die Beiträge optisch deutlich voneinander unterscheidet. Die Farben entstammen dem grafischen Präsentationskonzept des Wettbewerbs, sodass die Präsentationen in der Ausstellung mit denen in anderen Medien verknüpft werden. Die Linearität der Gänge unterstreicht die Bedeutung des Entwicklungsprozesses, also den Weg hin zu den jeweiligen Ergebnissen. Innerhalb dieser Struktur wurden die Wettbewerbsteilnehmer gebeten, die für sie vorgesehenen Räume im Sinne ihres Denksansatzes zu interpretieren und sich den Raum speziell anzueignen. So bildet die Ausstellungsarchitektur eine Grundstruktur, die im Dialog mit den einzelnen Teilnehmern modifiziert wird.

 

Die Gänge sind nicht einfach gerade, sondern folgen einer komplexen, verschachtelten Geometrie. Sie sind durch Nischen, Ausbuchtungen und Rücksprünge strukturiert und bieten so die Gelegenheit, Modelle, Pläne, Skizzen, Fotografien, Filme und Texte zu präsentieren. In den Zwischenwänden befinden sich überraschende Durchbrüche zu den Bereichen anderer Projekte. Die Kreuzungen und Übergangspassagen erzeugen eine zweite Lesart der Ausstellung. Die Querverbindungen verbildlichen, dass Ideen nicht dem Geist eines Genius entspringen, sondern immer gesellschaftlich und in ihrer Zeit verwurzelt sind, dass gute Ideen also auf zeitgenössischen Inspirationen, dem Vordenken anderer, Dialogen mit anderen Experten beruhen. Diese Shortcuts erlauben es den Ausstellungsbesuchern ihre eigenen Wege zu gestalten, von einer Gedankenwelt in die nächste zu wechseln, Parallelen oder Unterschiede zu erkennen, Arbeiten direkt vergleichend gegenüberzustellen.
Die Ausstellungsarchitektur leistet damit beides: sie ist Richtschnur und Orientierungssystem, aber erlaubt die Wahl der Kombinationen, der Aneignung und der Interpretation. Es entsteht eine Atmosphäre der freudvollen Entdeckung als gleichzeitige Absage an simplifizierende, didaktische Vermittlungsmodelle, die den Betrachter entmündigen.

Dem Besucher bieten sich also nicht nur individuelle Ein- und Ausblicke; er kann sich die jeweiligen Räume auch nach und nach aneignen, gemäß Henry Lefebvres Gedanke: „Raum ist ein Produkt sozialen Handelns.“*

* H. Lefebvre, Die Revolution der Städte, München 1972.