DAS GUTE UND DAS ÖFFENTLICHE

commissioned by Kunstkredit Basel Stadt, BS_Logo_Kultur_pos

 

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Raumlaborberlin

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– what we planned to do in early 2013

 

download pdf unseres Wettbewerbsbeitrags: Kunst im öffentlichen Raum in der Innenstadt Basels von 2011

 

KONFERENZ 21. + 22.02.2014, SCHWEIZ, BASEL, MAIENGASSE 7

die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Platzzahl ist begrenzt. Um Anmeldung unter “dasgute@raumlabor.org” wird gebeten.

 

raumlaborberlin veranstaltet am 21. und 22. Februar 2014 eine Konferenz zum Thema DAS GUTE UND DAS ÖFFENTLICHE. Es beendet damit gleichzeitig eine Reihe von Gesprächsveranstaltungen zum Thema des öffentlichen Raums an der Schnittstelle Gesellschaft, Stadtgestaltung, Stadtplanung und Kunst im öffentlichen Raum.
Titelgebend für das diskursive Projektformat war die Feststellung eines Paradoxons: Die Gesellschaft befindet sich in einem fortschreitenden Prozess der Diversifizierung. Lebensstile und -gewohnheiten und die sich daraus ableitenden Ansprüche an Stadt werden immer vielfältiger. Gleichzeitig wird die Stadt als Lebensort als Einheit verstanden. In stadtplanerischen Diskursen wird der eigene Auftrag gerne beschrieben als: das was Gut ist für die Stadt herausfinden und an seiner Umsetzung arbeiten. Die Frage was genau gut ist, wird versucht in Fach- und Verwaltungsdiskursen als Kriterienkatalog zusammenzustellen, der über Wettbewerbsverfahren zu umsetzbaren Vorschlägen qualifiziert wird. Stadträume werden hier begriffen als an die gesamte Stadtöffentlichkeit gerichtete Angebote, es werden Vorschläge gesucht, die irgendwie für alle gut sind.

Dabei heißt Diversifizierung und Digitalisierung auch: für den Anderen unsichtbar werden. In raumlabors Verständnis ist es eine zentrale Aufgabe öffentlicher Räume, Sichtbarkeiten zu ermöglichen. Die öffentlichen Räume sind die Orte der zufälligen Begegnung mit dem Anderen. Je artikulierter der Ausdruck, desto größer der kommunikative Transfer en passant. Stadt ist der Ort wo wir uns physisch begegnen, während wir global vernetzt kommunizieren. Stadt ist der Ort wo Teilgesellschaften sichtbar werden könnene, die öffentlichen Räume ihr potentieller Handlungsort. Dies ist keine Definition, dies ist ein Auftrag.

Wie kann ausgehend von dieser Prämisse Kunst im Öffentlichen diskutiert werden, die von moralischen Positionierungen oder dem Handeln im Namen einer Öffentlichkeit absieht? Was meint “das Gute” eigentlich und in welchem Verhältnis steht es zu einem Öffentlichen, das sich zunehmend mit Privatem vermischt? Zu Beiträgen wurden mit Jeanne van Heeswijk, Dirk Baeker, Christian Falsnaes, Martin Kaltwasser, Stealth Unlimited u.a. lokale und internationale Künstler, Architekten und Soziologen eingeladen. Wir werden gemeinsam das Gute und das Öffentliche aus den verschiedenen Denk- und Praxisperspektiven betrachten und diskutieren.

Der Veranstaltungsort, ein ehemaliges Werkhofareal zur Zeit in Zwischenutzung, steht dabei paradigmatisch für eine Möglichkteit von Stadt, und von Öffentlichkeit, ist es doch selbst ein Ort in Transformation, der zum Experimentierraum für Neues wird. Für raumlabor ist Stadt nicht ein Ort des tradierens von Gewissheiten, sondern der Ort des andauernden Experiments, des Ausprobierens, des Aushandelns, wohin es gehen soll mit unserer gemeinsamen Zukunft. Die Konferenz wird nicht nur Vorträge präsentieren, sondern es wird eine Mischung aus Vermittlung, Austausch und gemeinsamem Erleben, also Vorträge, Tischgespräche, Stadtausflüge, Diskussionen, Performance und Zeit für Informelles bei Konferenzfrühstück, Lunch und Kaffee.

 

Konferenzablauf: 

 

21.02.

18.00h Begrüßung: Andrea Hofmann und Markus Bader, raumlabor

Begrüßung: Kunstkredit Basel StadtKatrin Grögel, Abteilung Kultur Basel-Stadt

Einführung: Markus Bader, raumlabor

Vortrag: Jeanne van Heeswijk, Künstlerin, Rotterdam

Vortrag: Dirk Baecker, Prof in Friedrichshafen, wohnt in Basel

 

22.02.

10.00h  “Frühstückssalon” Tabea Michaelis und Ben Pohl

11.30h    Stadterkundungen / Gesprächsrunden  – viele parelle Ereignisse

mit Martin Chramosta (Basel) , île flottante | Nica Giuliani und Andrea Gsell (Basel), Martin Kaltwasser (Berlin), Almut Rembges (BBLACKBOXX, Basel) …

13.00h  Mittagessen (Marcus Meyer – Basel – kocht)

14.00h  Vortrag: stealth unlimited | Ana Džokić and Marc Neelen

15.30h  Kaffee

16.15h  Zusammenfassung / Diskussion / Podium

17.00h  Performance – Christian Falsnaes, Künstler (Berlin)

18.00h  Ende der Konferenz

 

Undine preview im tageswoche – review

und hier im clip: https://www.youtube.com/watch?v=ZhLAy0zklwo

 

Teilnehmende und Beiträge

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Dirk Baecker

Zeppelin Universität, Friedrichshafen

Das wahrhaft Gute an einer Stadt, so die historische Soziologie Max Webers, besteht darin, dass sie es Fremden ermöglicht, dennoch miteinander zu leben. Das war in Zeiten tribaler Gesellschaften unmöglich. Aber heute kaufen wir Brot bei Leuten, die wir kaum kennen, schicken unsere Kinder in Schulen, deren Lehrer wir kaum kennen, lassen uns von Richtern verurteilen, die wir zuvor noch nie gesehen haben, und wählen Politiker, die wir bestenfalls aus dem Fernsehen kennen. Die Stadt emanzipiert uns aus Verhältnissen, in denen wir uns nur auf Bekannte verlassen konnten. Aber wie macht sie das? Und welche Rolle spielt dabei der öffentliche Raum? Der Vortrag trägt einige soziologische Beobachtungen zusammen, um diese Fragen etwas besser beantworten zu können.

Dirk Baeckers Thesen zur nächsten Kunst bei academia . edu: hier

 

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stealth unlimited | Ana Džokić and Marc Neelen

The surge in activities around and based on ‘commons’ in our cities has brought its relation to another commonly shared resource, the ‘public’, to the fore. Both exist in an uneasy relation to each other; and for good reason.  It is helpful to take a short dip into history to remind ourselves why the commons once historically emerged in cities. And why the difficult and daring struggle for these commons, in forms like housing co-ops, consumer co-ops, and many other have sparked the urge to get to forms of public organisation, to which we entrust the fruits of that struggle. Through this, the public is something that has made these achievements non-discrimination and equally accessible to all of us.

However, while the public thus incorporates a dense history of struggle, emancipation and self-organisation, it is also its natural opponent. Placing our trust in the public means transferring all of the afore mentioned from a group of people we are densely related with to a rather abstract entity: the state, the municipality, the institution. And with time, this transfer neutralises our capacity to gather and stand (collectively) for our issues. We might, actually, loose sight on that episode of history that preceded the ‘public’.

Now the public itself has come under intense pressure from shifts in political climate, reduction of public funds and more, it is tempting to switch to ‘commons’ to fill the void. Or provide an approach more commonly carried by the citizens. Although often a valuable approach, it carries a tricky edge. Commons are by most definitions not non-discriminatory, neither equally accessible for all. And that is something to take into account.

With our contribution we will discuss two initiatives we have started that bring ‘leftovers’ of the co-operative movement to a new life: buildings of (now privatised) co-operatives in the Netherlands which remain abandoned in the city of Rotterdam; and the prospect of co-housing in Belgrade by reinventing affordable collective housing to a dramatically fragmented and individualised urban society.

(photo: expedition to search for location for co-housing in Belgrade)

 

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Fulfilling Your Expectations

Christian Falsnaes

Christian Falsnaes studied philosophy and was active in the graffiti-, and squatting- scene before he began his studies at the Academy of fine Arts in Vienna.

His work explores participatory strategies and the relation between the artist and the audience.

In his performance Fulfilling Your Expectations, he investigates the expectations of performance and the attempts to fulfill them. Throughout the performance he construct different situations that motivate the audience to become an active part of the work.

The artist gives all, shows all and fulfill your desires. Of all joys, the joy of expectation is indeed the biggest.

 

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Foto Sabina Otterwald

 

NEGATIV

An der Stadtgrenze steht das Gefängnis Bässlergut, in dem Ausschaffungshäftlinge bis zu 18 Monate Administrationshaft absitzen, weil sie von den Migrationsbehörden einen Negativbescheid erhalten haben. Es ist gekoppelt an ein Empfangszentrum für Asylsuchende, wo Neuankömmlinge zum ersten mal die Ausgrenzungs- und Inferiorisierungspolitik des Landes zu spüren bekommen.
In einem kritischen Rundgang um den gesamten Gebäudekomplex werden wir einige Eindrücke dazu sammeln und der Frage nachgehen, inwiefern der gesamte Gebäudekomplex als erster Akt einer Abschreckungsshow zu sehen ist, die den Titel “Wettbewerb des Schreckens” tragen könnte, nicht zuletzt auch, weil Firmen und auch kulturelle Instanzen das Asylwesen mehr und mehr als Profitmöglichkeit für sich entdecken.
Schliesslich werden wir bisherige Aufwertungsversuche der Stadt-Basel anschauen und zur Debatte stellen, warum es genau das Bässlergut ist, das alle stadtplanerischen Aufwertungskriterien zwingend disqualifiziert, weil es vor dem Hintergrund der Gefängnismauern unmöglich ist, im Auftrag der verantwortlichen Behörden Vorschläge zu machen, die irgendwie für alle gut sind.
Der Rundgang endet schliesslich beim Kunstraum bblackboxx, wo wir die Aktion CUT THE FENCE von Copa & Sordes besuchen, einer symbolischen Übung zum Abbau von Zäunen und Mauern im Asylwesen. Informationen hierzu: http://www.bblackboxx.ch/aktuell/

Bitte warm anziehen und gutes Schuhwerk mitnehmen.

 

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Bild: Tabea Michaelis

Da, Zwischen, Mit und In. Erkundungen zum Teilen von Bedeutung.

Ein Frühstückssalon mit Tabea Michaelis (Denkstatt Basel) und Ben Pohl (HCU Hamburg).

Wenn Deutungshoheiten über »das Gute« und »das Öffentliche« hier exemplarisch zur Diskussion stehen, so liesse sich die Liste jener Begriffe (im Feld des Urbanen) um eine Vielzahl von weiteren Signifikanten erweitern. Was zum Beispiel bedeutet »Arbeit«, was bedeutet »Wohnen«, was assoziiert (wer) mit »Partizipation«? Zunehmend zeichnet sich für uns heraus, dass es sowohl zwischen den unterschiedlichen Disziplinen wie Künstlern, Stadtplanern, Architekten, Soziologen und Politikern etc., als auch zwischen jenen »Experten« und den Experten des Alltags, um eine immense Übersetzungsaufgabe geht. Wie aber lernen und erweitern wir eine neue gemeinsame Sprache? Welcher Art könnte diese Sprache sein?  Wie könnte ihr Vokabular klingen? Wie treten wir in einen Dialog mit der Vielheit menschlicher und nicht-menschlicher Akteure? Was erzählen uns tätowierte Autos am Strassenrand oder Tätowierer über Entfremdung? Wie verhandeln und/oder nutzen wir Konflikte? Welche Orte, Momente, Räume und Möglichkeiten brauchen wir dafür? Was müssen wir (mit uns) hinzu erfinden? Und was könnte ein gemeinsames Frühstück damit zu tun haben?

 

publik machen

Ein «in situ»-Input von île flottante | Nica Giuliani und Andrea Gsell

île flottante | Nica Giuliani und Andrea Gsell stattet BenutzerInnen des öffentlichen Raums mit einem Toolkit aus, mittels welchem diese spezifische Stellen im öffentlichen Raum der Stadt Basel temporär markieren können. Die sogenannten PublikmacherInnen beziehen sich in ihren Markierungen auf Orte, die als solche bisher nicht wahrgenommen und spezifisch genutzt wurden, machen diese temporär sichtbar und loten sie aus, indem sie ihnen Potentiale einschreiben. Die flüchtige Manifestation im Realraum transformiert die gewohnte Wahrnehmung der Orte und eröffnet damit den StadtbenutzerInnen reflexive, imaginäre und kommunikative Optionen.

 

 

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Wegrecht, ein öffentliches Gut? (Machete)

Martin Chramosta

Wir hauen mit Macheten und Scheren einen guten, öffentlichen Weg durch ein trennendes Brombeerdickicht. Der genaue Ort wird noch bekanntgegeben.

 

 

 

DAS GUTE UND DAS ÖFFENTLICHE ist ein Projekt von raumlaborberlin auf Einladung der Kunstkredit Basel-Stadt

markus bader und andrea hofmann sind Teil von raumlaborberlin, einer Berliner Gruppe die sich seit 15 Jahren an den Grenzfragen der Verbesserung von Stadt, dem Aufspüren und Sichtbarmachen von städtischen Potentialen beschäftigt Sie arbeiten dabei international an Projekten in den Bereichen Kunst (vor allem im Öffentlichen), Theater (vor allem an der Verbindung von Theater und Stadtraum und -gesellschaft), Stadtplanung (vor allem an kulturbasierten Entwicklungsstrategien, an neuen Dialogformaten zwischen Planung und Stadtbewohnern) und Architektur (meist temporär, oft im Stadtraum)