Bauteam:
Jan Schlake, Stefan Klopfer, Lisa Tatz
und Miriam Liebich und Maja Martynova
28.06.-05.10.2025
„Der Fluss bin ich“, Tatort Paderborn,
kuriert von Marijke Lukowicz und Sophia Trollmann
mit Unterstützung von Stefan Buschmeier
Für die Ausstellung „Der Fluss bin ich“, des Tatort Paderborn, realisiert raumlaborberlin die Arbeit „Sedimente – Insel 4“ und in Zusammenarbeit mit Zhenru Liang „Sedimente – Insel 1,2,3“
Die fundamentale Bedeutung, die Wasser für die Existenz der Menschheit hat, wird global zunehmend deutlicher. Fast anmaßend begreifen wir Wasser nach wie vor lediglich als eine Ressource – und implizieren dabei einen Verbrauch, der in Wahrheit nicht stattfinden kann.
Mit unserer Arbeit Sedimente möchten wir den Gedanken der Unverbrauchbarkeit des Wassers auf andere Stoffe übertragen. Eine nach den Schäden des Tornados im Mai 2022 notwendig gewordene Sanierung des Gartendenkmals am Quellgebiet der Pader macht einige der dort verbauten Materialien obsolet. Materie, die – wie das Wasser, das hier den Namen Pader trägt – weiter zur nächsten Etappe ihrer Existenz fließt. Wir greifen ein und gewinnen diese Ressourcen für unsere Arbeit. Die Paderquellen werden zum Tagebau. Vielmehr: Pflastersteine, Laternenmasten oder Geländer – Objekte des urbanen Raums – „lösen“ sich im Quellwasser auf und werden „transportiert“.
fotos: Miriam Liebich
fotos: Harald Morsch
Entlang des Laufs der Pader lagern sich diese Materialien an vier bestimmten Orten, zwischen Stadtzentrum und Neuhausen, als urbane Sedimente ab. Durch die Nachahmung eines natürlichen Prozesses ordnen und schichten wir das urbane Material neu – ohne dessen ursprüngliche Gestalt zu verändern.
Zwischen Stadtzentrum und Neuhausen entstehen vier Sedimentinseln, die von der Wechselwirkung und Transformation zwischen urbaner und natürlicher Landschaft mit einer neuen Erzählung überlagern.
Insel 1
Diese Inseln sind zugleich poröse Archive: Sie bewahren die Materie – und die mit ihr verbundenen Erinnerungen – an einem bestimmten Ort der Stadt, während sie gleichzeitig den Einfluss vor allem nicht-menschlicher Akteure an diesen neuen Orten suchen.
Im Fluss der Zeit – und der Pader – entstehen so Formen die, stark mit dem Kontext verwoben, eine mögliche Kohabitation zwischen dem, was war, und dem, was sein wird, suggerieren.
Insel 2
Der Lauf des Flusses wurde über die Jahrhunderte hinweg ständig nach den Bedürfnissen der Menschen geformt Scheinbar natürliche Räume sind ebenfalls das Ergebnis kultureller Gestaltung. Das Urbane, das Gebaute, Menschliche ist vom Landschaftlichen und Natürlichen kaum scharf voneinander zu trennen.
Insel 3
Wasser ist eine komplexe Entität, die ihre Form und Grenzen im Laufe der Zeit kontinuierlich verändert. Zum Überleben und für viele Prozesse, die unsere Gesellschaft ausmachen, dürfen wir es stets nur leihweise nutzen – um es anschließend zurückzugeben. Dabei fügen wir dieser Entität fortlaufend neue „Erinnerungen“ hinzu. Jedes Mal, wenn wir mit Wasser in Kontakt kommen, findet ein Austausch von Erfahrungen statt.
Auch ohne Wasser im eigentlichen Sinne zu konsumieren, verändert die Menschheit stetig dessen Qualität. Indem wir es verpacken und verschiffen, verunreinigen, umleiten, einengen, ableiten und ausbeuten, offenbart sich unsere anhaltende Unfähigkeit, das empfindliche Verhältnis – und unsere Abhängigkeit – vom Wasser angemessen zu reflektieren und es entsprechend zu respektieren.
Insel 4
//English
For the exhibition “Der Fluss bin ich” (I am the river) by Tatort Paderborn, raumlaborberlin created “Sedimente – Insel 4” (Sediments – Island 4) and, in collaboration with Zhenru Liang, “Sedimente – Insel 1,2,3” (Sediments – Islands 1,2,3).
The fundamental importance of water for the existence of humanity is becoming increasingly clear on a global scale. Rather presumptuously we continue to view water merely as a resource—and thus imply a consumption that in reality cannot happen.
With our work Sedimente, we want to transfer the idea of the non-consumability of water onto other materials. The restoration of the Gartendenkmal at the source of the river Pader, which became necessary after damage caused by a tornado in May 2022, had rendered some of the previous materials obsolete. Material that – like the water, which here goes by the name Pader– continues to flow to the next stage of its existence. We intervened and harvested these resources for our work. The Pader springs become an open-cast mine. Or rather: paving stones, lampposts, and railings—objects from the urban space—dissolve in the spring water and are “transported.” Along the course of the Pader, these materials are deposited as urban sediments at four specific locations between the city center and Neuhausen.
By imitating a natural process, we rearrange and layer the urban material without altering its original form. These islands also function as porous archives: they preserve the material—and the memories associated with it—in a specific location in the city, while at the same time seeking the influence of primarily non-human actors in these new locations.
Thorugh the passage of time – and the river Pader– forms emerge that, while strongly interwoven with the context, suggest a possible cohabitation between what was and what will be.
Over the centuries, the course of the river has been constantly re-shaped according to human needs. Seemingly natural spaces are therefore the result of cultural design. It is difficult to clearly separate the urban, the built, and the human from the landscape and nature.
By imitating a natural process, we rearrange and layer the urban material without changing its original form. Between the city center and Neuhausen, four sediment islands are created, overlaying the interaction and transformation between urban and natural landscapes with a new narrative.
Water is a complex entity, continuously changing its form and boundaries over time. For our own survival and for many of the processes that define our society, we can only use it on loan – and then return it. In doing so, we continuously add new “memories” to this entity. Every time we come into contact with water, an exchange of experiences takes place.
Even when not consuming water in the literal sense, humanity constantly changes waters quality. By packaging and shipping it, polluting, diverting, confining, draining, and exploiting it, we reveal our ongoing inability to adequately reflect on our delicate relationship with — and dependence on — water and our inability to treat and respect it accordingly.