JA! tempelhof

flickr stream: Fotos vom sich verändernden Tempelhofer Feld
flickr stream: images from the changing THF site

 

Berlin – Tempelhof 2014. Der Volksentscheid geht für das Feld, für das Gefühl von Freie und gegen Bebauung, gegen eine Planung, die Zuletzt das Vertrauen der Bürger verloren hat! Gratulation 100% Tempelhof, Gratulation Berlin! Es lebe das Feld! Es lebe die Vielfalt! Es lebe ein Stück entspanntes, ungetriebenes Berlin!

 

raumlabor

 

April 2014: Nahe dem Zugang Oderstraße findet man eine Art Containergebäude mit der Aufschrift “Bürgerbeteiligung”. Innen findet man eine hochwertig angefertigte Zeitleiste der verschiedenen Maßnahmen der Bürgerbeteiligung. Offensichtlich gibt es unterschiedliche Meinungen über angemessene Bürgerbeteiligung. Mitte April: die Fenster des Pavillons haben Löcher und die Zeitliste hat eine schwarze Farbschicht bekommen. Anfang Mai: die Scheiben sind wieder heile, der Pavillon zeigt jetzt die Aufschrift “Ausstelle Bürgerbeteiligung” – perfekt.

Dabei hat Beteiligung in Tempelhof viele Facetten und einiges an Tradition – wie kommt es dann jetzt zu dieser Eskalation? Wer fühlt sich ausgeschlossen oder nicht gehört? Wie ist in diesem Zusammenhang das Bürgergutachten zu verstehen, das nach dem Prinzip der “Planungszelle” erarbeitet wurde – beauftragt von der Entwicklungsgesellschaft “Tempelhof Projekt”? Wieso werden diejenigen, die sich am meisten engagieren nicht beteiligt? Und das  in einer Zeit in der so gern von “bürgerschaftlichem Engagement” gesprochen wird?

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Auch im April 2014: ein ganz normaler Tag eigentlich, nichts besonderes in den Straßen Berlins, unbeständiges Aprilwetter – aber auf dem Flugfeld? Ein unglaublicher Himmel! Starker Wind! Weite!

 

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Die raumlabor-Geschichte mit Tempelhof kurz zusammengefaßt:

 

2007-08 – Ideenwerkstadt Tempelhof. Wir erarbeiten ein Aktivierungs- und Eröffnungskonzept im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und in Zusammenarbeit mit Studio UC – Klaus Overmeyer und mbup – Michael Braun und Partner.

 

2010 – das Flugfeld wird (endlich) geöffnet. Wir freuen uns als erstes Kulturereignis das Tempelhofer Feld für die Kunst zu eröffnen. Als dritte Station des Projekts “the KNOT” untersuchen wir Verhältnisse von Ort, Öffentlichkeit, und Kunst.

 

Hier der Film der großartigen Performance von Fanfare Kalashnikov – ein räumliches Konzert auf der Landebahn.

 

 

2012 – die große Weltausstellung (link unten)

 

Die Grundidee unseres integrierten Entwicklungskonzepts für das Flughafenareal war, eine substantiellen Dialog zwischen Planung und Nutzern aufzubauen und dabei Zwischenbereiche zu erschließen, die es Akteuren beider Seiten ermöglichen sich besser zu verstehen, Vertrauen aufzubauen. Eine Praxis des Stadt-machens sollte entstehen, in der die Zukunft dieses Stücks Stadt verhandelt wird, ein gemeinsamer Dialograum auf Augenhöhe.

 

Festhalten kann man, dass der Pionierprozess nie so richtig abgehoben hat. Niemals entstand die Dichte und der urbane Humus, den man sich mit anfänglich angekündigten 200 Pionierprojekten erwartet hatte. Mit der fehlenden Dichte bleiben Diversität, Vernetzung, Synergie, von-einander-Lernen aus. Es gibt schlicht zu wenige Pionierprojekte und die sind auch noch zu weit voneinander entfernt.

 

Die Pioniere müssen  5000€ im Jahr aufbringen (1€ Miete / qm / Jahr), es fehlen aber Möglichkeiten eine eigene Ökonomie zu entwickeln, beispielsweise durch Verkäufe oder das Betreiben einer  Gastronomie.

 

Interessant wird das Un-Verhältnis der “kleinen” zu den “großen”, nicht nur was die Produktion symbolischer Werte angeht (siehe Bild: Besuch der Ministerin), sondern auch wenn man die Gesamtaufwendungen des Landes Berlin für die Töchter Grün Berlin GmbH und Tempelhof Projekt GmbH ansieht. Hier eine Zusammenstellung der jeweiligen Budgets.

 

Ministerin Aigner besucht Allmendekontor,
Bild verlinkt von Tempelhofer Freiheit

 

Dazu kommt die Angst. Die Angst auf Pionierseite missbraucht zu werden als Illustration eines Möglichkeitraums, der in Wahrheit gar nicht besteht. In der Tat blieben Senatsverwaltung und Tempelhof Projekt die Antwort bisher schuldig, wie die “gezielte Integration in einen städtebaulichen Planungsprozess” aussehen soll. Und die Angst auf Entwicklerseite, die Pioniere würden nicht gehen, wenn man sie dazu auffordert.

 

Wie also die Kreuze setzen am 25.05.? Wir wollen eine Stadt, die Lebenswert ist und die von ihren Bewohnern und für ihre Bewohner gemacht wird. Wir wollen Freiräume, deren Nutzungen nicht schon festgeschrieben sind und wir wollen Dialoge über Stadtentwicklung die ihre Zeit wert sind. Wenn der Pionierprozess gescheitert wurde – wie partizipativ und bürgernah ist die Planung für Tempelhof dann wirklich? Können wir Tempelhof Projekt vertrauen, dass es eine soziale und gemischte Stadt wird, die auf Tempelhof enstehen soll? Wer hier “Nein” antwortet muss den Senatsvorschlag auch mit “NEIN” ablehnen.

 

Wie wäre es also wenn wir alle erstmal gegen eine Bebauung und für ein freies Feld stimmen. Wenn wir uns die Zeit nehmen die Möglichkeiten und grandiosen Chancen des freien Feldes in Ruhe auszuloten? Ist nicht Tempelhof der beste Ort in Berlin um sich nicht den sich ändernden Großwetterlagen am Investorenhimmel hin und her jagen zu lassen, sondern ein echtes Experimentierfeld daraus zu machen, für die Stadt von Morgen? Wer diese Zeit mit schaffen will, hat beim Referendum keine Wahl: ja bei 100% Tempelhof und nein für die umgehende Entwicklung.

 

tempelhof-hilbersheimer

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Arche Metropolis – das Pionierprojekt, das sich selbst um Bürgerbeteiligung kümmerte. Der Mietvertrag bis Ende 2013 wurde von Grün Berlin GmbH nicht verlängert.

 

hier Artikel dazu

http://www.zitty.de/die-aktivisten-vom-tempelhofer-feld-der-zwischennutzer.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/tempelhofer-feld-in-berlin-pioniere-fuerchten-feldverweis/8517072.html

 

In der Präambel des Vertrags für die Pioniere heißt es: “Im Tempelhofer Park werden zum ersten Mal Pionier- und Zwischennutzungen als Treiber einer prozessualen und partizipativen Stadtentwicklung gezielt in einen städtebaulichen Planungsprozess integriert.”

Nun wachsen Irritation und Sorge auf Seiten derjenigen, die bleiben dürfen. Werden sie die nächsten sein, deren Vertrag einfach nicht verlängert wird? Was passiert dann mit all den aktiven Menschen aus der Stadt, die sich engagiert haben? 

 

UND HIER EIN LINK ZUR ARGUMENTATION AUF EXBERLINER 

 

UND HIER LINKS ZU KURZFILMEN AUF ARCHITEKTURCLIPS:

ein Film über die Ideenwerkstatt Tempelhof 

ein Film über die große Weltausstellung 2012

ein Film aus dem IBA Studio – aus der Prä-IBA Phase